Ab Ende 2026 wird die Schweiz biometrische Identitätskarten einführen – offiziell für mehr Sicherheit und Reisefreiheit. Kritiker sehen darin vor allem eines: den nächsten Schritt zur lückenlosen Kontrolle.
Die Schweiz bereitet sich auf die Einführung einer neuen Identitätskarte vor. Ab Ende 2026 soll sie – genau wie der biometrische Pass – mit einem Chip ausgestattet sein, der Gesichtsbild und zwei Fingerabdrücke speichert. Das Bundesamt für Polizei (fedpol) leitet das Projekt in enger Abstimmung mit den Kantonen. Offiziell heisst es, man wolle Identitätsmissbrauch erschweren und die Reisefreiheit in die EU langfristig sichern. Doch wer genauer hinsieht, erkennt rasch: Solche staatlichen Versprechen verdienen äusserste Vorsicht.
Der Chip ist kontaktlos, die Daten sind verschlüsselt, und fedpol beteuert, ein Auslesen auf Distanz sei unmöglich. Nur bei physischer Vorlage der Karte sei Zugriff möglich, und Fingerabdrücke würden nur an Länder mit vergleichbarem Datenschutzniveau weitergegeben. Klingt beruhigend. Dennoch: Wer einmal biometrische Daten abgegeben hat, kann sie nie mehr zurücknehmen. Und genau das ist der springende Punkt.
Ein EU-Diktat als eigentlicher Treiber
Ein entscheidender Antrieb ist die EU-Verordnung von 2019, die alle Mitgliedstaaten verpflichtet, nur noch biometrische Identitätskarten auszugeben. Für Schweizer Bürgerinnen und Bürger bedeutet das klare Ansage: Wer künftig mit der ID-Karte in die EU reisen will, braucht die neue Version. Die alte bleibt bis zum Ablauf gültig – maximal zehn Jahre. Die Schweiz passt sich an, um das Personenfreizügigkeitsabkommen nicht zu gefährden. Gehorsam gegenüber Brüssel statt eigenständiger Souveränität. Wer hier noch von freier Wahl spricht, blendet aus, dass die nicht-biometrische Variante künftig nur noch für den Inlandgebrauch taugt. Für Reisen in den Schengen-Raum ist sie wertlos.
Die Behauptung, es gehe primär darum, Identitätsmissbrauch zu erschweren, ist schlichter Schwachsinn. Es geht einzig und allein um die Vorbereitung einer totalen Überwachung. Die biometrischen Merkmale sind der perfekte Schlüssel zu einem digitalen Profil, das sich mit anderen Systemen verknüpfen lässt – ob E-Government, digitale Identität oder künftige Technokratien, in denen jede Bewegung, jede Transaktion nachverfolgbar wird. Die EU-Verordnung liefert den Vorwand, die Schweiz den Gehorsam.
Die trügerische Bequemlichkeit als stärkstes Argument
Bei allen «e»-Produkten – ob e-ID, digitale Brieftasche oder biometrische Ausweise – lautet das stärkste Argument bis heute dasselbe: Bequemlichkeit. Schneller einchecken, einfacher reisen, weniger Papierkram. Doch Bequemlichkeit hat ihren Preis. Sie erkauft man mit dem Verlust von Anonymität und Selbstbestimmung. Wer sich an die digitale Bequemlichkeit gewöhnt, merkt gar nicht mehr, wie sehr er sich selbst entmündigt.
Kritische Stimmen: Warnungen vor Versklavung und Technokratie
Die Kritik an dieser Entwicklung ist laut und kommt aus unterschiedlichen Lagern. Die digitale Gesellschaft warnt seit Jahren vor neuen Überwachungsregeln, die letztlich die Demokratie aushöhlen. Datenschützer, die im Vernehmlassungsverfahren zur e-ID gehört wurden, sahen ihre Einwände ignoriert – etwa die unnötige Speicherung biometrischer Gesichtsdaten, die sich für 3D-Modelle und automatisierte Erkennung missbrauchen lassen. Pascal Fouquet von der Piratenpartei Schweiz sprach offen von einem Baustein für ein Sozialkreditsystem.
Ähnlich scharf positioniert sich die deutsche Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage. Sie kämpft seit 2020 mit der Kampagne #PersoOhneFinger gegen die EU-Verordnung 2019/1157, die Fingerabdrücke auf Ausweisen zur Pflicht macht. Für sie behandelt die EU Millionen unbescholtener Bürger wie potenzielle Kriminelle – nicht aus Sicherheitsgründen, sondern aus purem Kontrollbedürfnis. Und in kritischen Netzdebatten wird längst Klartext gesprochen: Die e-ID und ihre biometrischen Verwandten dienen der «digitalen Versklavung der Bevölkerung», wie es in unabhängigen Blogs heisst. Sie bereiten eine Technokratie vor, in der totale Überwachung nicht mehr Ausnahme, sondern Normalzustand ist.
Zusammenfassung
Was als harmloses Sicherheitsupdate daherkommt, ist in Wahrheit ein weiterer Meilenstein auf dem Weg zur vollständigen digitalen Erfassung des Menschen. Die biometrische ID-Karte folgt einem EU-Diktat, tarnt sich hinter dem Kampf gegen Identitätsmissbrauch und lockt mit Bequemlichkeit. Staatliche Zusicherungen ändern nichts daran: Wer seine biometrischen Daten einmal hergibt, liefert sich einem System aus, das auf lückenlose Kontrolle ausgelegt ist. Die Schweiz opfert hier Souveränität für EU-Konformität – und bereitet damit den Boden für eine Technokratie, in der Freiheit nur noch eine Erinnerung sein wird. Wer jetzt nicht wachsam bleibt, wird später keine Wahl mehr haben.
Quelle: x.com/StandPunkt_News
