Trumps gefährliche Schritte

Trumps gefährliche Schritte: Eine Analyse von Prof. Jeffrey Sachs

Am 4. August 2025 sprach Professor Jeffrey Sachs in der Sendung „Judging Freedom“ mit Richter Andrew Napolitano über die gefährlichen Entwicklungen in der US-Außenpolitik unter Präsident Donald Trump. In einem ausführlichen Gespräch beleuchtete Sachs die Ursachen der amerikanischen Feindseligkeit gegenüber China, die eskalierenden Spannungen mit Russland, die Unterstützung für Israel und die allgemeine Krise der Diplomatie. Nachfolgend der Artikel von UncutNews, der die wichtigsten Punkte des Gesprächs zusammenfasst.

1. Ursprünge der amerikanischen Feindseligkeit gegenüber China

Sachs erläutert, dass die Beziehungen zwischen den USA und China bis etwa 2010 von Kooperation geprägt waren. Seit den 1970er Jahren, beginnend mit Richard Nixons Besuch in China, betrachtete die USA China als strategischen Partner, um Druck auf die Sowjetunion auszuüben. Nach den chinesischen Wirtschaftsreformen von 1978 entwickelte sich China von einer verarmten Wirtschaft zur dynamischsten Volkswirtschaft der Welt. Während dieser Zeit profitierten die USA wirtschaftlich stark von Handelsbeziehungen und Investitionen in China, obwohl einige Regionen, wie der industrielle Mittlere Westen, durch Importkonkurrenz Schaden erlitten.

Ab 2010 änderte sich die US-Politik jedoch drastisch. Sachs verweist auf eine bewusste Entscheidung des US-Establishments, Chinas wirtschaftlichen Erfolg zu bremsen. Ein Schlüsseldokument ist ein 2015 vom Council on Foreign Relations veröffentlichter Bericht von Robert Blackwell und Ashley Telus, der offen erklärt, dass das Ziel der USA die globale Vorherrschaft sei. Chinas Erfolg werde als Bedrohung für diese Vorherrschaft angesehen, nicht weil China eine direkte Gefahr für die US-Sicherheit darstelle, sondern weil es die amerikanische Dominanz infrage stelle. Dieser Bericht empfahl Maßnahmen wie Handelsbarrieren, Technologieexportverbote und eine verstärkte militärische Präsenz in Asien, um Chinas Aufstieg zu behindern.

Sachs kritisiert diese Politik als „geistlos“ und gefährlich. Er betont, dass China keine Bedrohung für die USA darstelle und dass die Feindseligkeit einseitig von den USA ausgehe. Initiativen wie die Trans-Pacific Partnership, die China ausschließen sollte, seien gescheitert, weil sie die wirtschaftliche Realität – dass China der Haupthandelspartner vieler asiatischer Länder ist – ignorierten. Sachs sieht in der aktuellen US-Politik eine Fortsetzung dieser fehlgeleiteten Strategie, die durch Trumps aggressive Rhetorik und Handelsbeschränkungen verschärft wird.

2. Trumps Angriffe auf China und die globale Wirtschaft

Sachs hebt hervor, dass die USA unter Trump keine kohärente Industriepolitik verfolgen. Er kritisiert Trump dafür, Anreize für Elektrofahrzeuge gestrichen zu haben, wodurch China den Weltmarkt für Elektrofahrzeuge dominieren konnte. Statt eine eigene Innovationsstrategie zu entwickeln, beschweren sich die USA über Chinas „Überkapazitäten“ und verhängen Zölle. Sachs betont, dass China in Bereichen wie 5G-Technologie, künstliche Intelligenz, Solarenergie und Kernkraft technologisch führend ist, weil es konsequent in die Zukunft investiert. Die USA hingegen schädigen sich selbst, indem sie Forschungsetats kürzen und Wissenschaftler vertreiben.

3. Eskalation mit Russland: Ein gefährliches Spiel mit Atomwaffen

Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs ist Trumps eskalierende Rhetorik gegenüber Russland. Nach einer Äußerung des ehemaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew, der auf die russische Nukleardoktrin hinwies, kündigte Trump die Entsendung von zwei Atom-U-Booten in die Nähe russischer Gewässer an. Sachs nennt diese Aktion „töricht“ und fragt, warum ein Präsident eine solche Provokation öffentlich ankündigt, insbesondere gegenüber einer Atommacht mit einem größeren U-Boot-Arsenal.

Sachs sieht die Wurzel des Ukraine-Konflikts in der US-Politik, die durch die NATO-Osterweiterung, den Sturz der ukrainischen Regierung 2014 und die Ablehnung von Neutralitätsvorschlägen ausgelöst wurde. Trump versprach, den Krieg in 24 Stunden zu beenden, doch anstelle von Diplomatie setzt er auf Ultimaten, wie die Drohung mit Sanktionen gegen alle Länder, die mit Russland handeln. Sachs betont, dass diese Politik nicht nur Russland, sondern auch Länder wie China, Indien und Brasilien provoziert, die nicht bereit sind, sich US-Diktaten zu beugen. Dies erhöhe die Unsicherheit für die USA selbst.

4. Die Krise der Diplomatie und die Rolle des Militärisch-Industriellen Komplexes

Sachs kritisiert die Abwesenheit von Diplomatie in der US-Politik. Er sieht den militärisch-industriellen Komplex, bestehend aus Pentagon, CIA und Rüstungsindustrie, als treibende Kraft hinter der US-Außenpolitik, unabhängig vom jeweiligen Präsidenten. Diese Kräfte verfolgen seit Jahrzehnten eine Politik der Dominanz, die auf der Illusion basiert, die USA könnten der Welt ihre Bedingungen aufzwingen. Sachs verweist auf historische Beispiele wie die Ablehnung des Minsk-II-Abkommens und die Sabotage eines Friedensabkommens im April 2022, um die Verantwortung der USA für die Fortsetzung des Ukraine-Konflikts zu unterstreichen.

5. Israels Politik und die Komplizenschaft der USA

Sachs spricht auch die Unterstützung der USA für Israel an, insbesondere im Kontext des Gaza-Konflikts. Er beschreibt die israelische Politik als eine von Dominanz und ethnischen Säuberungen geprägte Strategie, die keinen Frieden anstrebe. Die USA seien vollständig in diese Politik verstrickt, was durch die Unterstützung der „Genozid“-Aktionen in Gaza deutlich werde. Sachs kritisiert die New York Times für die Behauptung, Israel habe im Juni einen „militärischen Sieg“ über den Iran errungen, und verweist auf die Vertreibung der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) aus dem Iran als Zeichen einer eskalierenden Krise.

Er betont, dass 150 Länder, die etwa 90 % der Weltbevölkerung repräsentieren, einen palästinensischen Staat anerkennen. Dennoch blockieren die USA und Israel eine Zwei-Staaten-Lösung. Sachs sieht die Gefahr, dass Israels Handlungen seine eigene Legitimität untergraben könnten, während die USA durch ihre Komplizenschaft ihre internationale Glaubwürdigkeit verlieren.

6. Der Verfall der US-Institutionen

Sachs kritisiert die Erosion der US-Institutionen unter Trump. Er verweist auf die Entlassung des Direktors des Bureau of Labor Statistics, nur weil dieser unerwünschte Daten veröffentlichte, als Beispiel für Trumps kindisches Verhalten. Noch beunruhigender sei die Stille des Kongresses, der diese Aktionen toleriert. Sachs beschreibt den Kongress als „unterwürfig“ und unfähig, die exekutive Macht zu kontrollieren. Auch der Oberste Gerichtshof schweige, während die Verfassungsordnung zunehmend untergraben werde.

7. Brasiliens Widerstand und die globale Mehrheit

Ein Lichtblick im Gespräch ist die Haltung von Brasiliens Präsident Lula da Silva, der sich gegen Trumps Drohungen stellt. Trump hatte die brasilianische Justiz aufgefordert, ein Gerichtsverfahren einzustellen, worauf Lula klarstellte: „Wir brauchen keinen Kaiser.“ Sachs lobt Lula als brillanten Kommunikator, der die Interessen des globalen Südens vertritt. Er betont, dass die Mehrheit der Welt – 95 % der Weltbevölkerung – die Selbstbestimmung Palästinas unterstützt und die US-Dominanz ablehnt.

8. Fazit

Professor Jeffrey Sachs zeichnet ein düsteres Bild einer Welt, in der die USA unter Trump durch provokative und undiplomatische Aktionen die globale Sicherheit gefährden. Die Feindseligkeit gegenüber China, die Eskalation mit Russland, die Unterstützung für Israels Politik in Gaza und der Verfall der US-Institutionen sind Symptome einer tiefgreifenden Krise. Sachs fordert eine Rückkehr zur Diplomatie und zur Zusammenarbeit, doch er sieht wenig Hoffnung, solange der militärisch-industrielle Komplex die US-Politik dominiert. Die Welt stehe vor einer gefährlichen Zuspitzung, und nur rationale Akteure wie Lula könnten einen Weg aus der Krise weisen.

Quelle: UncutNews

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