Die „spätrömische“ Dekadenz im deutschsprachigen Mediengeschäft

Hier ist ein gutes Beispiel wie der Mainstream versucht Stimmung, gegen alles was aus russischer Feder stammt, zu vermarkten und Menschen für Dumm zu verkaufen.

Der folgende Beitrag ist Ersterschienen bei kenfm als Tagesdosis vom 25.Januar.

Spätrömische Dekadenz. Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Jüngste Analysen haben den Trend erneut bestätigt. Die sich selbst als Qualitätsmedien bezeichnenden öffentlich-rechtlichen Propagandaorgane der „neo-liberalen Ordnung, haben auch im letzten Jahr weiter an Glaubwürdigkeit und damit auch an Lesern, Zuschauern und –hörern verloren. Bei den privaten Medienkonzernen ist die Lage nicht viel besser. Ihr unstillbarer Drang, die politischen und gesellschaftlichen Vorgaben der Geld- und Politeliten als der Wahrheit letzter Schluss zu verkaufen, stößt bei der Masse der wirtschaftlich und sozial gebeutelten Unterschicht zunehmend auf taube Ohren.

Zugleich erzeugen die medialen Belehrungen, dass „die da oben“ besser wissen, was gut ist für die da unten“, im Volk immer größere Wut. Das gilt erst recht, wenn diverse Sprechköpfe den Malochern weiß machen wollen, dass sie ihren Gürtel enger schnallen müssen, während die „bessere“ Gesellschaft die gesamten volkswirtschaftlichen Einkommenszuwächse absahnt und ostentativ in Saus und Braus lebt. Vor diesem Hintergrund wenden sich immer mehr Menschen von den „Qualitätsmedien“ ab und alternativen Medien zu, wo sie noch kritisch hinterfragenden Journalismus finden, der sich wohltuend vom politisch korrekten, staatstragenden Einerlei abhebt.

Zunehmend irritiert verfolgen Politiker und Vertreter der Mainstream Medien, wie ihnen ihre manipulativen Felle davonschwimmen. Auf diese Entwicklung reagieren sie in der Regel mit Schaum vor dem Mund. Dabei wenden sie einen unter Straßenräubern beliebten Trick an. Wenn von denen einer beim Klauen erwischt wird, dann rennt er laut schreiend davon und brüllt „Haltet den Dieb“. Ein jüngstes Beispiel dafür hat der Qualitätsjournalist und Vorsitzende des Deutschen Journalisten Verbandes (DJV), ein gewisser Herr Frank Überall geliefert, als er wohlwissend falsches Zeugnis ablegte und Russia Today Deutsch öffentlich wegen Sachen beschuldigte, die er selbst betreibt, nämlich fake news verbreiten.

Hintergrund dieser Geschichte ist, dass sich der 2014 auch in Deutschland auf YouTube gestartete russische Nachrichtensender RT-Deutsch wegen geänderten Bestimmungen um eine reguläre Rundfunklizenz bemühen muss. Wegen seiner vielseitigen Berichterstattung, die oft im Widerspruch zu dem im Mainstream servierten, politischen geschönten Einheitsbrei steht, gehört RT-Deutsch wohl zu den von westlichen „Qualitätsjournalisten“ meist gehassten Sendern, denn zur herrschenden Meinung gibt es für Leute wie Überall keine Alternative.

Nur so ist zu erklären, dass sich der Vorsitzende des DJV, der nicht nur einen Doktor- sondern auch einen ehrwürdigen Professorentitel trägt, in die journalistischen Niederungen herabgelassen hat und die Landesmedienanstalten in Deutschland aufgefordert hat, dem Kanal Russia Today Deutsch keine Rundfunklizenz zu erteilen. Begründet hat der Herr Professor seine Forderung pauschal damit, dass RT-Deutsch in der Vergangenheit immer wieder erfundene Geschichten verbreitet habe. Daher sei RT Deutsch „kein journalistisches Informationsmedium“. Belege für seine Behauptungen gab er nicht. Das erregte die Neugier des Rechtsanwalts und freischaffenden Journalisten Markus Kompa, der zuerst am 14. Januar den Herrn Professor Überall interviewte und dann, 3 Tage später am 17. Januar den Chef von RT-Deutsch Iwan Rodionow.

Diese Vorgehensweise von Kompa, nämlich beide Seiten zu hören, war unerhört, denn sie verstößt gegen den Zeitgeist. Heutzutage muss die Aussage einer Autoritätsperson wie Professor Überall genügen. Wo käme man denn hin, wenn die Behauptungen von Respektspersonen hinterfragt würden! Und eine weitere Unverschämtheit besteht darin, dass Kompa die Behauptungen des DJV-Vorsitzenden, die des Chefs des „dubiosen“, russischen Fake News Senders RT-Deutsch gegenübergestellt hat, und zwar auf der Nachrichtenseite „Heise“. Wer sich selbst ein Bild machen will (sehr empfehlenswert) findet die Links zu den beiden Interviews hier:

Die beiden Interviews zu lesen ist ein MUSS, denn sie lüften ein wenig den Schleier und erlauben einen Blick auf die „spätrömische“ Dekadenz des deutschen Medien- und Journalistengeschäfts. Als Appetitanreger folgen hier einige Auszüge:

Auszüge aus Interview Markus Kompa mit Frank Überall, Vorsitzender des Deutschen Journalisten Verbands:

Markus Kompa: „Sie beklagten, Russia Today habe in der Vergangenheit immer wieder Geschichten erfunden. Welche RT Deutsch-Beiträge waren erfundene Geschichten?“

Frank Überall: „Nehmen Sie den Fall Lisa, mit dem massiv versucht wurde, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen.“

Markus Kompa: „Fällt RT Deutsch signifikanter durch unseriösen Journalismus auf als andere Medien, die regelmäßig bei BILDblog zu Gast sind?“

Frank Überall: „Wie ich bereits gesagt habe: RT steht nicht für seriösen Journalismus. Deshalb sind Vergleiche mit journalistischen Medien unangebracht.

Markus Kompa: „Sie beklagen, RT Deutsch stelle tatsächliche Ereignisse einseitig dar. Fordert der DJV also von privaten Medienhäusern künftig Objektivität?“

Frank Überall: „RT ist nicht privat.“

Markus Kompa: Bewerten Sie die Nachrufe der deutschen Journalisten auf (den ehemaligen US-Präsidenten) George H. W. Bush als objektiv und ausgewogen?“

Frank Überall: [Die Frage wurde nicht beantwortet.]

Markus Kompa: „Der staatliche deutsche Auslandssender Deutsche Welle (mit Büros in Moskau) hatte letztes Jahr bei den russischen Präsidentschaftswahlen zum Boykott aufgerufen. Ist Ihnen eine vergleichbare Wahlbeeinflussung deutscher Wahlen durch RT-Deutsch bekannt?“

Frank Überall: RT befeuert eine politische Stimmung, die der AfD nützt.

Auszüge aus Interview Markus Kompa mit Iwan Rodionow, Chef von RT-Deutsch

Markus Kompa: Professor Überall „beklagt, RT-Deutsch habe in der Vergangenheit immer wieder Geschichten erfunden. Welche RT Deutsch-Beiträge waren erfundene Geschichten?

Ivan Rodionov: RT Deutsch hat nie Geschichten erfunden. Es ist manchmal das Realleben, das wie Erfindung wirkt. …Wie die „rätselhaften russischen Schallwaffen“, die den US-Diplomaten in Havanna so schwer zusetzten und sich am Ende „als paarungswillige Grillen“ erwiesen. Ist es erfunden, dass ein „Verschwörungstheoretiker zum Verfassungsschutzpräsidenten avanciert“- und dann wegen eines 19-sekündigen Twitter-Videos entlassen wird, nachdem er die eigentlichen großen Skandale wie Murat Kurnaz, Anis Amri und NSU heil überstanden hat?

Ist es erfunden oder wahr, dass dänische Behörden entscheiden, „ein intaktes Wohnviertel mit ca. 1000 Wohnungen abzureißen“, weil es ihnen als „zu ghettoisiert und kriminell gilt“? Dass einem Regionalabgeordneten einer demokratischen deutschen Partei auf parteiinternen Kanälen das Teilen und Liken der RT-Deutsch-Beiträge auf seinem privaten Facebook-Account verboten wird? Dass der öffentlich-rechtliche Kinderkanal mit Synonym-Listen für Genitalien Teenager für sein Programm gewinnen will? Oder dass eine russische Zeichentrickserie als gefährliche Kreml-Propaganda entlarvt wird – weil eine der Hauptfiguren ein Bär ist? Dass Russland eine Fake-News-Attacke gegen die Bundeswehr in Litauen lanciert? Dabei erscheint der angebliche Fake nur als Enthüllung seiner selbst, mit hektisch wechselnden Überschriften und ausschließlich im deutschen Mainstream – jedoch in keinem russischen Medium? Dagegen ist jede Phantasie blass.

Es werden vielmehr Geschichten über RT Deutsch erfunden. Und die hartnäckigste dabei ist der „Fall Lisa“. Ein klassisches Beispiel dafür, dass eine Unwahrheit so oft und so lange wiederholt wird – wider besseres Wissens oder aus Denkfaulheit -, bis sie sich entgegen jeder Faktenlage als Fakt im Bewusstsein verankert. Dabei war unsere aktuelle Berichterstattung zu dem Fall recht überschaubar und leicht überprüfbar: ein knapp 2-minütiges Roh-Video über eine Demonstration Russland-Deutscher vor dem Kanzleramt, erschienen eine Woche nach dem Bekanntwerden des Falls in der Rubrik „Kurzclips“.

Im Beschreibungstext steht: „Nach Ermittlungen des Landeskriminalamtes wurde das Mädchen weder vergewaltigt, noch entführt.“ Und später ein Studiogespräch mit dem Journalisten des russischen Perwij Kanal Iwan Blagoj. Der Anlass war ein Verfahren wegen Volksverhetzung gegen Blagoj. Ich habe in einem Kommentar den interessierten Kollegen Recherchehilfe angeboten: „Es reichen 30 Sekunden – ich habe nachgerechnet – für eine oberflächliche Recherche mit dem Suchbegriff ‚Fall Lisa‘ auf unserer Webseite“ – das war der Stand Ende 2016. Fakt ist: Es gab zu diesem Zeitpunkt nur die zwei oben genannten Beiträge. Damit erschöpfte sich unsere aktuelle Lisa-Berichterstattung, allgemein bekannt als eine „großangelegte Kreml-befohlene Desinformationskampagne“.

Markus Kompa: Der DJV-Vorsitzende antwortete auf die gleiche Frage mit dem Fall „Lisa“, mit dem massiv versucht worden sei, Stimmung gegen Flüchtlinge zu machen. Hat RT Deutsch über diesen Fall anders als konventionelle Medien berichtet?

Ivan Rodionov: Definitiv anders. Zunächst hat RT Deutsch eine Woche lang gar nichts berichtet. Während sich alle „konventionellen“ Medien an der „perfiden russischen Desinformationsattacke“ abarbeiteten und russische Kanäle verzweifelte Verwandte und aufgebrachte Russlanddeutsche interviewten, schwieg RT Deutsch. Unsere Berichterstattung war wohl die späteste, die knappste, dafür die unangreifbarste. Vorausgesetzt, man bedient sich überhaupt Fakten für einen Angriff.

Ironischerweise musste ausgerechnet der Pressesprecher des DJV, Hendrik Zörner, seine Falschaussage über RT Deutsch im Zusammenhang mit dem Fall Lisa nach massiver Kritik in den Blog-Kommentaren zurücknehmen. Der DJV-Vorsitzende hat sich danach für diesen „Fehler“ entschuldigt. Als einziger bislang. MDR etwa hat seine (Doppel-)Falschaussage („Russische Auslandsmedien wie RT Deutsch halten das Thema wochenlang hoch, stricken immer weiter an der Legende einer vertuschten Vergewaltigung“) uns gegenüber damit verteidigt, es seien diverse Medien gemeint, nicht RT Deutsch im Einzelnen.

Es ist erstaunlich, welch lockeres Verhältnis der Vorsitzende der größten deutschen Journalistenvertretung zu Fakten, dem Grundpfeiler der Journalistik, pflegt. Es sei denn, wir haben es hier mit einer gespaltenen Persönlichkeit zu tun: einem Dr. Jeckyll, der sich entschuldigt, wenn auch gezwungenermaßen, und einem Mr. Hyde, der ganz enthemmt in den gleichen Fettnapf reinstampft.

Das Interview mit Rodionow ist noch länger und sehr aufschlussreich, beleuchtet es doch viele weitere Fake Vorwürfe des deutschen Mainstreams gegen RT-Deutsch.

Quellen:

  1. https://www.heise.de/tp/features/RT-Deutsch-ist-kein-journalistisches-Informationsmedium-4274024.html
  2. https://www.heise.de/tp/features/RT-Deutsch-hat-nie-Geschichten-erfunden-4278399.html

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